Mein erster langer Lauf

In den letzten beiden Wochen war es dann auch bei uns soweit. Laut Trainingsplan standen mit 25km bzw. 32km die ersten langen Läufe auf dem Programm. Ich habe diese Aufgabe mit gemischten Gefühlen in Angriff genommen. Einerseits fühlt man sich durch das harte, wochenlange Training gut vorbereitet, andererseits muss man mal eben einen Lauf aus dem Ärmel schütteln, der 10km länger ist als die längste, jemals zuvor bewältigte Laufstrecke. Trotzdem habe ich mich darauf gefreut, endlich den Hauch eines Gefühls dafür zu bekommen, was uns am Tag des Hamburg Marathon 2012 erwartet.

Was mitnehmen für einen 2,5-Stunden-Lauf?

Los ging es am Samstagmorgen mit einem leichten Frühstück. Kaffee, Apfelschorle und ein bisschen Weißbrot mit Marmelade und ein paar Reiswaffeln mit Honig. Wie viele Laufanfänger habe auch ich hin und her überlegt. Wieviele Getränke nehme ich mit, Kohlenhydrate-Gel ja/nein, Getränkegurt oder nicht, was ziehe ich an usw. Im Endeffekt habe ich den grad erst erworbenen Getränkegurt für eine 0,5 L-Flasche nicht mitgenommen. Der hat mich schon genervt, ohne auch nur einen Schritt gelaufen zu sein. Habe stattdessen die Flasche an meinem geparkten Fahrrad deponiert, wo ich nach 3 Alsterrunden also bei Bedarf eine Trinkpause einlegen konnte. Aber ein Kohlehydrate-Gel wollte ich unbedingt mal ausprobieren.

Zu Beginn habe ich bewusst ein sehr langsames Tempo angeschlagen, sprich: Nie mehr als 70-75% HFmax. So war ich nach den ersten 15km auch noch sehr gut dabei, die HF bewegte sich bei konstantem Tempo aber stetig in Richtung 80%. So langsam machten sich auch die Kniegelenke, Oberschenkel, Waden und Füße bemerkbar. Also habe ich hier schnell mein Gel geschlürft und die Hälfte meiner Wasserflasche getrunken. Die Profis raten ja in der Trainingsphase von Gels ab, um den Körper an den Kohlenhydratemangel zu gewöhnen und die Energiebereitstellung aus den Fettreserven zu trainieren. Aber ich bin kein Profi und wollte das Zeug unbedingt mal ausprobieren, also rein damit. Das Gel schmeckt übrigens relativ widerlich – ich hatte Banane-Cherry-Flavour – ich habe es aber problemlos runterbekommen und hatte danach auch keinerlei Magenprobleme. Zwar blieb der erhoffte Energieschub aus, dennoch habe ich die 25 km in 02:30:45h geschafft. Allerdings war ich dermaßen platt, dass ich nicht einen Meter hätte weiterlaufen können. Zwei Glas Cola später war ich wieder einigermaßen fit, meine Beine habe ich aber deutlich gespürt.

Der Mann mit dem Hammer

Eine Woche später, gleicher Ort, gleiche Zeit- leider nicht die gleiche Entfernung, sondern mal eben 7km weiter als noch vor einer Woche. Die weiteste, jemals gelaufene Entfernung sollte innerhalb von 7 Tagen noch einmal deutlich getoppt werden.
Die ersten 25km gingen recht locker, eigentlich kein Problem. Danach ließ sich die Sonne ein wenig blicken, mein Outfit war dafür allerdings nicht ausgelegt. Ich hätte am liebsten meine Jacke ins Gebüsch geschmissen. So kam ich schon sehr ins schwitzen, mein halber Liter Wasser war ein leider viel zu wenig, was sich dann auch sehr schnell rächen sollte.
Trotz Gel traf mich also nach ca. 29km und ziemlich genau 03:00:00 Laufzeit der gefürchtete Mann mit dem Hammer. So einen krassen Einbruch hatte ich bis dato noch nicht erlebt. Obwohl mein Kopf weiterlaufen wollte, haben meine Beine einfach ihren Dienst eingestellt und mich zum Gehen der letzten 3 km gezwungen. Im Ziel war ich komplett durch, auch mental, es ging einfach nichts mehr.

Der nächste lange Lauf kommt bestimmt

Natürlich ärgert man sich, dass man das Ziel so knapp verfehlt hat, auf der anderen Seite bin ich schon stolz, dass ich innerhalb von 7 Tagen meine maximale Laufdistanz mal eben verdoppelt habe. Ich denke, es ist völlig normal, dass sich der Körper erst an eine solche Belastung gewöhnen muss. Außerdem habe ich auch daraus gelernt und werde beim nächsten Mal deutlich mehr Trinkpausen einlegen und mich nicht wieder zu warm anziehen. Außerdem haben mich die Fußgängermassen an der Außenalster – sorry, ist nicht persönlich gemeint – und das ständige Ausweichen schon sehr gestört.
Trotz allem bin ich schon heiß auf den nächsten langen Lauf. Der Marathon ist natürlich noch einmal ein ganz anderes Kaliber. Meine Wunschzeit von 4h sehe ich zwar schon ein wenig am Horizont verschwinden, aber ich wäre nach meinen ersten Erfahrungen mit langen Läufen auch schon froh, auf zwei Beinen stehend im Ziel anzukommen. Aber wir haben ja schließlich noch 6 Wochen Training mit einem 15km-Wettkampf uns zwei langen Läufen à 32km bzw. 35km vor uns.

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